26.10.22 08:00 – Trends

Rebranding in Zeiten von Elektromobilität

Eine starke Marke braucht hin und wieder eine Auffrischungskur. Viele Logos verändern sich aber so subtil, dass viele gar nichts davon bemerken. Oft sind es feine Veränderungen in den Buchstabenformen, die einen Schriftzug in die Moderne holen. So geschehen beim Autobauer Škoda, der mit einem Rebranding das Zeitalter der Elektromobilität einläutet.

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Ein Beispiel für nur kleinste Veränderungen ist die Wortmarke der Migros. Auf den legendären Migros-Verkaufsbussen 1979 ist der Schriftzug geschlossen und kompakt. Über vierzig Jahre später präsentiert sich die Marke etwas offener und grosszügiger.

 


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Die Migros ist ein Paradebeispiel für eine beständige Wortmarke.

 

Bei Apple, der auch 2022 erfolgreichsten Marke der Welt, war die Veränderung markanter, aber die Apfelform wird seit 1977 verwendet. Von 1977 bis 1998 war der Apfel bunt, danach folgten nur noch die typischen Silhouetten in den verschiedenen Looks.

 

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Seit 1977 gehört sie zur DNA von Apple – die Apfelform.

 

Škoda – einfache, aber überzeugende neue Wortmarke

Ganz neu hat auch die Automarke Škoda ein Rebranding durchgeführt. Gemäss der neuen Ausrichtung der tschechischen Marke sollen Elektroautos bis 2030 einen Anteil von mehr als 70 Prozent am Škoda-Absatz ausmachen. Vor diesem Hintergrund passt das neue Branding sehr gut. Es fällt auf und begeistert mich, weil der Markenauftritt optisch viel Klarheit gewonnen hat und mutige Entscheidungen bezüglich Farbe getroffen wurden.

 

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Die neue Wortmarke von Škoda – solide und einfach schön.

 

Wichtigste Neuerung: Der «Hatschek», das Häkchen über dem S von Škoda, der im Tschechischen als «Sch» ausgesprochen wird, wird nur noch angedeutet. Er ist für die globalen Märkte anscheinend etwas «sperrig» geworden. Gelöst hat das Škoda hervorragend: nicht einfach weggelassen, sondern schön integriert im S. Und der Einschnitt wird beim A als Stilelement wiederholt. Neu wird übrigens nur noch der Schriftzug und nicht mehr das gesamte Logo auf der Fahrzeug-Vorderseite prangen.

 

Bildmarke – von drei- zu zweidimensional

«Die immer intensivere Nutzung des Logos in verschiedenen digitalen Formaten hat uns dazu veranlasst, das Logo in einer zweidimensionalen Grafik neu zu gestalten, die sowohl auf Bildschirmen als auch in Drucksachen leichter zu erkennen und unverwechselbarer ist als das bisherige dreidimensionale Design», erläutert die Designagentur Strichpunkt die Grundsätze des neuen Auftritts.

 

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Das etwas kryptische Bildsymbol bleibt Teil der Marke.

 

Škodas Bildmarke ist symbolträchtig, aber kann nicht eindeutig interpretiert werden. Oder was meinen Sie, was das Bild im Kreis darstellt? Gemäss Wikipedia wurde die Marke mit der Bezeichnung «Pfeil mit drei Federn im Ring» eingetragen. Es gibt auch eine Erklärung dazu: Der Ring zeigt die Allseitigkeit der Produktion, die Vollkommenheit der Fertigung, den Erdball und die Welt. Die Feder deutet auf den technischen Fortschritt, die Spannweite des Produktionsprogramms sowie den internationalen Vertrieb der Produkte hin, der Pfeil kennzeichnet die fortschrittlichen Fertigungsmethoden und die hohe Arbeitsproduktivität. Das Auge weist auf die Genauigkeit der Fertigung, technischen Scharfsinn und Überblick hin.

An diesem Symbol scheiden sich die Geister («Ist das ein Hahn?»), aber es bleibt auch beim neuen Rebranding Teil der Marke. Ein Symbolbild unterstützt auch traditionelle Werte, die Firma betont ihr langes Bestehen und die eigenwilligen Formen machen das Logo unverwechselbar. So wird der Federpfeil auch ab 2023 Teil der Marke bleiben.

 

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Die Entwicklungsstufen der Bildmarke von Škoda (v.l.n.r.): 1925–1993, 1994–2011, 2011–2022, ab 2023.

 

Zukunftsweisende Farben

Die künftige Markenidentität setzt auf zwei neue Grüntöne. Die Arbeit habe mehr als ein Jahr gedauert und das Team zunächst mit insgesamt 165 Vorschlägen gearbeitet, aus denen sich nach und nach drei Vorschläge herauskristallisierten. Škoda habe diese Versionen dann einem Test unterzogen, an dem über 2200 Personen aus der Tschechischen Republik, Deutschland, Italien, Norwegen, Indien und Israel teilgenommen haben. Auf der Grundlage ihrer Rückmeldungen wurde das jetzt vorgestellte Logo-Design zum Sieger erklärt.

 

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Neue Grüntöne: helles Elektrogrün auf dunklem Smaragdgrün.

 

Gemäss Škoda stehen die neuen Kommunikationsfarben Smaragd- und Elektrogrün für Ökologie, Nachhaltigkeit und Elektromobilität. Ich finde die neue Farbgebung überraschend, auch mutig. Ein deutlicher Bruch zum bisherigen Grasgrün, sehr viel futuristischer. Das helle Elektrogrün habe ich noch nie so gesehen bei einer Marke. Auf dem Smaragdgrün oder auch auf Schwarz kommt es sehr schön zur Geltung. Natürlich spielt auch die gute Farbdarstellung von Screens eine Rolle, auf denen dieses Grün so richtig leuchten kann.

Erstaunlich, dass das neue Design bereits präsentiert wurde. Die ersten Automodelle mit diesem werden nämlich erst 2024 auf den Markt kommen.

Quellen: Škoda, horizont.net, auto-motor-und-sport.de

 

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